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Ein Leben im Glauben – und ein Tod, der Fragen aufwirft

hooulra
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Der Anblick ist erschütternd: Josephin W. erbricht Blut, ihre Beine tragen sie kaum noch. Als ihre Eltern endlich Hilfe holen, ist es bereits zu spät. Die junge Frau, die mit Trisomie 21 und Typ-1-Diabetes auf die Welt kam, stirbt im Oktober 2016 im Kreis ihrer Familie. Doch was geschah in den Tagen davor? Warum griffen ihre Eltern, die sonst überfürsorglich waren, nicht ein, als sich der Zustand ihrer Tochter dramatisch verschlechterte? Diese Fragen beschäftigen nun erneut die Justiz.

Ein Kampf mit der Krankheit – und den eigenen Überzeugungen

Josephin W. wurde 1995 mit Down-Syndrom geboren. Später kamen Diabetes Typ 1 und Zöliakie hinzu. Ihre Mutter, Andrea W., eine gelernte pharmazeutisch-technische Assistentin, war im Umgang mit den Krankheiten geschult und meisterte die tägliche Insulin- und Blutzuckerkontrolle, auch nachts. Ein Sachverständiger bezeichnete ihre Bemühungen später als „großartige Leistung“. Doch drei Tage vor ihrem Tod änderte sich alles. Josephin litt unter starken Bauchschmerzen, erbrach sich und konnte kaum noch Nahrung und Flüssigkeit bei sich behalten. Ihre Werte schossen in die Höhe, doch die Eltern griffen nicht entschieden ein. Stattdessen wurde ihr sogar Zuckersirup verabreicht.

Ein Urteil und ein neues Verfahren

Erst als Josephin keinen Puls mehr hatte, rief ihr Vater den Notarzt. Die Wiederbelebungsversuche ihrer Schwester Eva blieben erfolglos. Jahre später standen Josephins Eltern wegen fahrlässiger Tötung und ihre Schwester wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht. Das Urteil in Limburg: Bewährungsstrafen für die Eltern, Freispruch für die Schwester. Doch die Staatsanwaltschaft legte Revision ein, und der Fall musste neu verhandelt werden. Nun, fast fünf Jahre später, sitzt die Familie W. erneut auf der Anklagebank. Der Prozess am Landgericht Frankfurt beginnt schleppend, die Angeklagten wirken fahl und gezeichnet.

Was trieb die Eltern an, in den entscheidenden Momenten nicht zu handeln? War es die tiefe Religiosität, die sie glauben ließ, die Krankheit sei eine Prüfung, oder gar eine Strafe Gottes? Der Prozess am Landgericht Frankfurt wird versuchen, Licht in diese dunklen Stunden zu bringen und Antworten auf die quälenden Fragen nach dem Warum zu finden. Denn die Erinnerung an Josephins Tod hallt nach und fordert eine Klärung.


📰 Source: FAZ