Die strategisch wichtige Straße von Hormus ist ein Machtinstrument des iranischen Regimes, dem die USA bislang keine wirkungsvolle Antwort entgegensetzen können. Selbst die vermeintliche Vorbildfunktion Russlands scheint hier wenig zu helfen.
Der falsche Lehrmeister am Beispiel Putins
Donald Trump scheint seine Lektionen lieber von zwielichtigen Autokraten als von seinen eigenen Militärs und Diplomaten zu lernen. Diese hätten ihm mit der reichen Erfahrung aus über zwei Jahrzehnten „Krieg gegen den Terror“ eine realistischere Einschätzung der erreichbaren Ziele im Iran sowie der dafür nötigen Ausdauer und Geduld vermitteln können. Stattdessen orientiert sich Trump offenbar an Figuren wie Wladimir Putin. Der russische Präsident versucht seit Jahren, den Willen des ukrainischen Volkes durch gezielte Angriffe auf dessen Energieinfrastruktur zu brechen. Nun droht Trump, die iranischen Kraftwerke zu „zerstören“, sollte das Regime nicht seine größte Trumpfkarte ausspielen: die Freigabe der Straße von Hormus und die Einstellung aller Drohungen gegen die internationale Handelsschifffahrt.
Eine infantile Drohung, die ins Leere laufen könnte
Ob diese Drohung nur heiße Luft bleibt oder ob Trump tatsächlich die Strom-, Wärme- und womöglich Wasserversorgung der iranischen Bevölkerung in die Luft jagen will, bleibt im Ungewissen. Doch ein Regime, das gerade erst brutal gegen Zehntausende seiner eigenen Bürger vorgegangen ist, die gegen die wirtschaftlichen und politischen Missstände im Land protestierten, lässt sich kaum durch die Ruinen von Kraftwerken zur Kapitulation bewegen. Es ist zu befürchten, dass eine solche Eskalation nur zu noch mehr Leid für die Zivilbevölkerung führen und die strategische Lage des Iran keineswegs entscheidend verändern würde.
Die Strategie der gezielten Zerstörung ziviler Infrastruktur mag für Putin in der Ukraine eine gewisse Wirkung erzielt haben, doch im Iran könnte sie nach hinten losgehen. Vielmehr scheint es, als würde Trump hier versuchen, eine Drohung zu inszenieren, die eher auf psychologischem Druck basiert als auf einer realistischen militärischen Option. Die Frage, die sich stellt, ist, ob solche Drohungen langfristig zu einer Deeskalation führen oder ob sie die Region nur weiter in Richtung eines unkontrollierbaren Konflikts treiben.
📰 Source: FAZ