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Russland: Frauen ohne Kinderwunsch sollen zum Psychologen geschickt werden

hooulra
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Russland: Zwangspsychologisierung für Frauen ohne Kinderwunsch?

Moskau – Ein neuerlicher Vorstoß aus Moskau sorgt für Aufsehen und wirft drängende Fragen nach Grundrechten auf. Berichten russischer Staatsmedien zufolge plant das Gesundheitsministerium, Frauen, die keine Kinder bekommen möchten, routinemäßig an Psychologen zu verweisen. Ziel dieser Maßnahme, die in neuen Richtlinien Ende Februar verabschiedet wurden, ist es, eine “positive Einstellung zum Kinderkriegen” zu fördern. Diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund einer seit Jahren sinkenden Geburtenrate statt, die Kremlchef Wladimir Putin zu immer drastischeren Maßnahmen greifen lässt.

Der Druck steigt – und die Methoden werden fragwürdiger

Schon bisher war der gesellschaftliche und staatliche Druck auf russische Frauen, Kinder zu gebären, immens. Doch die aktuellen “Empfehlungen” gehen einen Schritt weiter und stoßen auf breite Kritik. Experten warnen vor einer eklatanten Verletzung der Persönlichkeitsrechte und einem tiefen Eingriff in die Privatsphäre. Selbst im ansonsten loyalen Präsidenten-Menschenrechtsrat regt sich Widerstand. “Zwang zur Fortpflanzung”, so die scharfe Charakterisierung einer Ärztin, die beklagt, dass Frauen so zu bloßen “Instrumenten zur Verbesserung der demografischen Lage” degradiert würden. Dies sei gleichbedeutend mit einer “Entmündigung”, fügt eine weitere Expertin hinzu und verweist darauf, dass Kinderwünsche stark von wirtschaftlichen Faktoren und Zukunftsperspektiven abhängen – Aspekte, die in Russland derzeit alles andere als rosig sind.

Was wirklich zählt: Anreize statt Bevormundung

Während die Geburtenrate in Russland mit rund 1,4 Kindern pro Frau einen historischen Tiefstand erreicht hat und damit weit unter dem für den Erhalt der Bevölkerungszahl nötigen Wert von 2,1 liegt, drängt die Regierung auf Lösungen. Gesundheitsminister Michail Muraschko gibt gar die Marschrichtung vor, Frauen sollten sich “zunächst um den Nachwuchs kümmern” und nicht um Ausbildung oder Karriere. Experten halten dem entgegen, dass weitaus wirkungsvollere Maßnahmen möglich wären: die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen stünden hier an vorderster Stelle. Ob die nun angedachten psychologischen Interventionen tatsächlich die erhoffte Wirkung erzielen, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher ist, dass sie das Vertrauen in staatliche Institutionen weiter erschüttern und die ohnehin angespannte Situation noch verschärfen.


📰 Source: Spiegel