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Die DB-Chefin im Porträt: Ist die Bahn ein hoffnungsloser Fall, Frau Palla?

hooulra
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Bahnchefin Palla: Zwischen Hoffnung und dem Kampf gegen den Stillstand

Der Lokführer klingt resigniert. „Schlechte Nachricht“, murmelt er über Lautsprecher, kurz vor Hanau. Personalmangel im Stellwerk zwingt zur Zwangspause. Wieder. Fahrgäste im Regionalexpress murren, die Unruhe wächst. Was wie eine typische alltägliche Odyssee klingt, ist längst zum Sinnbild für ein ganzes Unternehmen geworden: die Deutsche Bahn. Millionen Reisende erleben täglich die Tücken des Systems, das auf 33.400 Kilometern Streckennetz Millionen Menschen transportiert. Die Pünktlichkeitswerte, im Fernverkehr zeitweise auf desaströse 51,5 Prozent gefallen, sind ein klares Signal: Hier bröckelt es gewaltig. Jahrzehntelang vernachlässigte Infrastruktur, Baustellen im Dauereinsatz, Personalnot und ein Gigantismus, der oft lähmend wirkt – die Liste der Probleme scheint endlos. Und an der Spitze dieses Kolosses steht seit einem halben Jahr Evelyn Palla. Sie ist die Frau, auf die sich die Blicke richten, die Verantwortliche für jeden verspäteten Zug und jede kaputte Weiche.

Ein ambitionierter Start, der Ernüchterung weicht

Palla, im Herbst mit viel Vorschusslorbeeren und dem Versprechen eines radikalen Umbaus gestartet, wollte den Konzern „vom Kopf auf die Füße stellen“. Sie positionierte sich als entschlossene Saniererin, die mit ihrem Vorgänger Richard Lutz, dem der Politik der Wind aus den Segeln genommen hatte, wenig gemeinsam hatte. Selbst Verkehrsminister Patrick Schnieder, der Lutz unrühmend per Telefon aus dem Urlaub zitierte, pries Palla als die beste interne Lösung. Sogar die Lokführer-Lizenz der Managerin schien, gepaart mit ihren Appellen an den „Eisenbahnerstolz“, ein Zeichen für einen echten Neuanfang zu sein. Doch die Euphorie ist längst verflogen. Der harte Winter legte den Betrieb lahm, und die Verlängerung der Vollsperrung zwischen Hamburg und Berlin setzt weitere Großprojekte unter Druck. Auch das Prestigeprojekt Stuttgart 21 kämpft mit unkalkulierbaren Verzögerungen, die Inbetriebnahme des umgebauten Bahnhofs rückt in immer weitere Ferne.

Sicherheit im Fokus und ein Kampf gegen die Zeit

Zusätzlich belastet wird das Image der Bahn durch gravierende Sicherheitsbedenken, die durch den tragischen Tod eines Zugbegleiters und medienwirksame Auseinandersetzungen im Umfeld der Sicherheitsthemen verschärft wurden. Doch Evelyn Palla scheint sich dieser Herausforderungen nicht zu entziehen. Ob bei feierlichen Auftaktterminen von Bahnhofsprogrammen, Pressekonferenzen zu Großprojekten oder Ansprachen vor Gewerkschaftsvertretern – sie sucht die Öffentlichkeit. Ihre 53 Jahre scheint sie mit einer Mischung aus Südtiroler Pragmatismus und einer tiefen Verbundenheit zum Bahnsystem zu füllen. Die Frage, ob die Bahn noch zu retten ist, bleibt dennoch über allem schweben. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Pallas ambitionierte Pläne und ihr unermüdlicher Einsatz ausreichen, um das schwer angeschlagene Staatsunternehmen wieder auf Kurs zu bringen, oder ob sie im unaufhörlichen Kampf gegen die Zeit und die Komplexität des Systems letztlich an ihre Grenzen stößt.


📰 Source: FAZ