Iran feiert “hohle” Trump-Drohung – strategischer Erfolg oder gefährliches Spiel?
Die Nachricht schlug in Teheran wie eine kleine Sensation ein: Donald Trump hatte seine im Raum stehende Drohung, iranische Kraftwerke zu bombardieren, überraschend zurückgenommen. Die iranische Seite reagierte prompt – und zeigte sich erleichtert, aber auch mit einer gehörigen Portion Misstrauen.
Eine “hohle” Drohung – oder ein strategischer Schachzug?
Die iranische Nachrichtenagentur Mehr titelte unmissverständlich: Die Androhung, iranische Kraftwerke anzugreifen, falls die Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden für die Schifffahrt freigegeben werde, habe sich als „hohl“ erwiesen. Das iranische Außenministerium wies zudem Trumps Behauptung von „konstruktiven Gesprächen“ zurück und warf dem US-Präsidenten vor, lediglich Zeit für eigene militärische Pläne gewinnen zu wollen. Auffallend war, dass sich das Ministerium zunächst nicht direkt äußerte, sondern über Medien, die der Revolutionsgarde nahestehen. Ein hochrangiger Vertreter des Sicherheitsapparats betonte gleichzeitig, dass Iran seine „Verteidigung“ fortsetzen werde, bis eine ausreichende Abschreckung erreicht sei. Innerhalb der Revolutionsgarde gab es bereits nach dem zwölftägigen Konflikt die Ansicht, der Waffenstillstand sei zu früh gekommen.
Die Straße von Hormus – Irans Trumpfkarte
Die iranische Staatsmedien stellten Trumps Rückzieher indes als Erfolg ihrer eigenen Eskalationsstrategie dar. Teheran hatte nicht nur mit Vergeltungsschlägen auf Kraftwerke in Israel und den Golfstaaten gedroht, sondern auch weitere Eskalationen in Aussicht gestellt. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf sprach gar von Angriffen auf Finanzinstitute, die US-Staatsanleihen halten – ein direkter Versuch, die Kosten des Konflikts für Amerika spürbar zu machen. Darüber hinaus hatte die Revolutionsgarde gedroht, die Straße von Hormus im Falle eines Angriffs auf iranische Kraftwerke so lange „komplett“ zu schließen, bis diese wieder aufgebaut seien. Dies ließ auf Pläne zur Verminung der Meerenge schließen, was eine zukünftige Sicherungsmission erheblich erschwert hätte. Allerdings hätte eine solche Verminung auch Irans eigene Energieexporte blockiert und das Regime mittelfristig in schwere wirtschaftliche Bedrängnis gebracht.
Die iranische Führung verfolgt mit der Straße von Hormus eigene Pläne. Eine der im Staatsfunk verbreiteten Bedingungen für einen Waffenstillstand ist ein neues rechtliches Regelwerk für die Meerenge. Der Geheimdienst der Revolutionsgarde bezeichnet die „Konsolidierung der Macht“ und die „Kontrolle“ über internationale Energiemärkte als einen der größten Erfolge Irans in diesem Konflikt. Dies wurde bislang nicht durch Verminung, sondern durch gezielte Angriffe auf einzelne Tankschiffe erreicht, die eine abschreckende Wirkung entfalten. Teheran strebt offenbar an, diese vorübergehende Kontrolle in einen dauerhaften Mechanismus zu überführen, der Iran zum „Türsteher“ der lebenswichtigen Ölhandelsroute machen soll. Amerika dürfte dieser Vorstellung wenig abgewinnen können. Iran selbst nutzt die Route weiter für eigene Ölexporte und hat einer begrenzten Zahl anderer Schiffe die Durchfahrt gewährt.
Während das amerikanische Militär versucht, Irans Fähigkeiten zur Bedrohung der Schifffahrt durch Luftangriffe einzudämmen, werden in Washington Berichten zufolge Pläne erwogen, rund 2500 Marineinfanteristen für eine militärische Öffnung der Handelsstraße einzusetzen. Szenarien reichen von der Besetzung der Insel Kharg, über die Iran fast seine gesamten Ölexporte abwickelt, bis hin zu Operationen an der iranischen Südküste und militärischer Begleitung von Handelsschiffen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Teheran seine strategischen Ziele in der Straße von Hormus durchsetzen kann oder ob die USA zu härteren Maßnahmen greifen werden.
📰 Source: FAZ