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Jokergleise und Pufferzeiten: Wie die Bahn die Verspätungsflut stoppen will

hooulra
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Stuttgart – Lange Gesichter an den Anzeigetafeln, genervtes Stimmengewirr auf den Bahnsteigen. Wenn Züge der Deutschen Bahn mal wieder ihren Takt verfehlen, leidet nicht nur der gestresste Pendler, sondern auch die Wirtschaft, die auf pünktlichen Gütertransport angewiesen ist. Die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr kratzte im Februar gerade mal an der 60-Prozent-Marke – eine Zahl, die Bahnchef*innen seit Jahren zur Verzweiflung treibt. Doch nun könnte eine neue Offensive frischen Wind in die Gleise bringen.

Die “Taskforce” packt an: 22 Maßnahmen für mehr Pünktlichkeit

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (CDU) und die Bahnbranche haben sich zusammengesetzt und ein ambitioniertes Maßnahmenpaket geschnürt: 22 Vorschläge sollen den deutschen Zugverkehr endlich wieder auf Kurs bringen. Der Kern der Strategie: Entlastung kritischer Bahnknotenpunkte, jener neuralgischen Stellen, an denen sich die Gleise kreuzen und Kapazitäten oft am Limit sind. Hier sollen künftig sogenannte „Jokergleise“ zum Einsatz kommen. Das sind Gleise, die strategisch freigehalten werden, um flexibel auf unvorhergesehene Störungen reagieren zu können – quasi eine betriebliche Notfallreserve.

Kleine Änderungen, große Wirkung: Flexiblere Abfahrten und Zeitpuffer

Doch nicht nur die Infrastruktur steht im Fokus. Auch die Abfahrtszeiten sollen flexibler werden. Mit „Flex-Abfahrten“ könnten Züge künftig wenige Momente vor der offiziellen Zeit das Gleis verlassen. Eine kleine Änderung, die aber den Druck auf den nachfolgenden Fahrplan verringern soll. Langfristig, ab 2027, sind auf ausgewählten Strecken sogar verbindliche Pufferzeiten zwischen den Zügen geplant. Ziel ist es, die berüchtigte Kettenreaktion von Verspätungen zu unterbinden. Die Allianz pro Schiene begrüßt die Vorschläge als wichtigen Schritt, um die seit Jahren überlasteten Hauptstrecken zu stabilisieren. Doch die Herausforderung bleibt immens: Der marode Zustand des Netzes und der Mischverkehr von Fern-, Regional- und Güterzügen stellen tiefgreifende Probleme dar.

Ob die nun angekündigten Sofortmaßnahmen ausreichen, um das Vertrauen der Reisenden und der Wirtschaft zurückzugewinnen, wird sich zeigen müssen. Die Bahn hofft, dass die Kundinnen und Kunden bereits in diesem Jahr eine spürbare Verbesserung bei der Fahrgastinformation erleben werden. Die Uhr tickt, und die Hoffnung auf pünktlichere Züge ist groß.


📰 Source: FAZ