Die Idylle der Südtiroler Alpen verwandelte sich am Samstag in einen Albtraum. Auf 2.450 Metern Höhe, inmitten einer Gruppe von Skitourengehern, löste sich ein gewaltiges Schneebrett. Eine Lawine donnerte talwärts und riss rund zwei Dutzend Menschen mit sich. Noch am selben Tag starben zwei Männer aus der Region. Nun ist die traurige Bilanz weiter gestiegen: Eine 26-jährige Frau aus Norditalien erlag ihren schweren Verletzungen, die sie bei dem Unglück davongetragen hatte. Sie war mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus nach Innsbruck geflogen worden, wo sie in der Nacht zum Sonntag verstarb.
Ein Schneebrett, das Leben auslöschte
Das Lawinenunglück ereignete sich an der Rudererspitze, oberhalb der Gewinges Alm. Das rund 150 Meter breite und 800 Meter lange Schneebrett begrub mehrere Wintersportler teilweise metertief unter sich. Während die Mehrzahl der Betroffenen sich glücklicherweise selbst befreien konnte, wurden zehn Menschen von den Schneemassen verschluckt. Unter den Verletzten befanden sich auch drei deutsche Staatsbürger: Einer zog sich schwere Verletzungen zu, während zwei weitere mit leichteren Blessuren davonkamen. Die schnelle Reaktion der Rettungskräfte, die mit über 60 Helfern und mehreren Hubschraubern im Einsatz waren, sowie das Mitführen von Lawinenverschüttetensuchgeräten erleichterten die Bergungsarbeiten erheblich.
Ein Winter der Rekorde – und der Trauer
Das Lawinenunglück in Südtirol ist kein Einzelfall in diesem Winter. Europa erlebt derzeit einen überdurchschnittlich tödlichen Lawinenwinter. Seit Beginn der Saison sind bereits mindestens 128 Menschen ums Leben gekommen. Diese erschreckende Zahl rückt den Winter 2025/26 in die Nähe des Rekordwinters 2017/18, als 147 Lawinentote gezählt wurden. Italien verzeichnet dabei die höchste Zahl an Opfern mit 35 Toten, gefolgt von Frankreich und Österreich. Experten führen die erhöhte Lawinengefahr unter anderem auf den Klimawandel zurück. Höhere Temperaturen verändern die Schneedecke, machen sie instabiler und begünstigen die Bildung gefährlicher Triebschneefelder. Hinzu kommt ein Trend zu immer mehr Touren und Abfahrten abseits gesicherter Pisten, der die Risikobereitschaft erhöht.
Die Alpen, so oft Sehnsuchtsort für Freiheit und Naturerlebnisse, haben einmal mehr ihre unbarmherzige Seite gezeigt. Die Suche nach weiteren Verschütteten mag beendet sein, doch die Gedanken der Angehörigen und der Rettungskräfte werden weiter bei den Betroffenen und ihren Familien verweilen. Die traurige Bilanz dieses Winters ist eine deutliche Mahnung, die Gefahren der Bergwelt niemals zu unterschätzen und die Warnungen der Experten ernst zu nehmen.
📰 Source: T-Online